Die meisten Spiegelreflexkameras besitzen einen Vollautomatikmodus, der alle notwendigen Einstellungen automatisch anpasst. Warum es sich dennoch lohnt diesen Modus mal zu verlassen und welche vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten die manuellen Kameraeinstellungen bieten können, zeigen wir dir in diesem Ratgeber.

Neben dem technischen Know-how sind natürlich auch der richtige Blick auf das Motiv und die anschließende Nachbearbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm entscheidend, um perfekte Ergebnisse zu erzielen. Mit den folgenden Tipps wollen wir dir zeigen, wie dir auch als Einsteiger oder Hobbyfotograf eindrucksvolle Bilder gelingen.

Die wichtigsten Kameraprogramme im Überblick

Zuerst ist es wichtig, dass du deine Kamera besser kennenlernst und dir einen Überblick über die verschiedenen Kameramodi machst. Digitale Spiegelreflexkameras bieten heutzutage eine Vielzahl von unterschiedlichen Kameraeinstellungen an.

Für den Anfang reicht es jedoch, wenn du dir zunächst den Unterschied zwischen den vollautomatischen, halbautomatischen und manuellen Einstellungen ansiehst.

Für eine gute Bildqualität ist die richtige Kameraeinstellung entscheidend. (Foto: PhotoMIX Ltd. / pexels.com)

Wie bereits oben erwähnt, entscheidet die DSLR im Vollautomatikmodus selbst welche Einstellungen benötigt werden. Im Modus P, der Programmautomatik, hat der Fotograf schon mehr Freiheiten. Zwar übernimmt die Kamera immer noch die Parameter wie Blende und Verschlusszeit, jedoch hast du in diesem Modus die Möglichkeit mit einer Belichtungskorrektur darauf Einfluss zu nehmen und gewisse Werte zu verändern.

Zu den Halbautomatiken gehört beispielsweise die Zeitautomatik, die bei den Kameraeinstellungen auch als A oder als Av abgekürzt wird. In diesem Modus wird zwar die Belichtungszeit automatisch angepasst, die Blende muss du jedoch manuell einstellen.

Im Gegensatz dazu wird bei der Blendenautomatik, die auch als S, T oder Tv abgekürzt wird, die Blende automatisch festgelegt und die Belichtungszeit manuell.

Um alle Parameter selber festzulegen, wählst du den manuellen Modus. Dieser wird üblicherweise in deinen Kameraeinstellungen mit einem M gezeichnet. Hierbei musst du zwar selber alle Faktoren berücksichtigen und anpassen, dafür hast du jedoch die meisten Möglichkeiten verschiedene Einstellungen auszuprobieren und kreative Bilder zu schießen.

Wie du einen interessanten Bildausschnitt wählst

Beim Fotografieren solltest du zunächst darauf achten, einen spannenden Bildausschnitt zu wählen. Daher ist es wichtig, nicht einfach drauf los zu fotografieren, sondern sich im Vorfeld zu überlegen, wo man das gewählte Motiv im Bild platzieren möchte. Mit ein paar einfachen Grundregeln, wie zum Beispiel der Drittelregel oder dem goldenen Schnitt, kannst du durch eine geplante Bildkomposition tolle Ergebnisse erzielen.

Laut der Drittelregel teilst du das Bild horizontal und vertikal in drei gleich große Teile. An den vier Kreuzungspunkten der Linien befinden sich nun die besten Plätze, um dein Hauptmotiv zu positionieren. Als Orientierungshilfe kannst du bei deiner Spiegelreflexkamera diese Linien im Sucher einblenden lassen.

Bei Landschaftsfotografien solltest du darauf achten, dass sich der Horizont im oberen oder unteren Bilddrittel befindet. Unter Umständen eignet sich hierfür auch eine Outdoorkamera am besten.

Außerdem hat die Perspektive eine entschiedene Wirkung auf deine Bilder. Probiere daher gerne verschiedene Perspektive aus und vergleiche deine Ergebnisse. Dazu kannst mal in die Knie gehen, dich beim Fotografieren auf den Boden legen oder auf eine Mauer steigen. Durch den Perspektivwechsel rückst du immer wieder neue Aspekte in den Bildfokus.

Die richtige Belichtung

Um besonders schöne Ergebnisse zu erzielen, empfiehlt es sich draußen bei Tageslicht zu fotografieren. Die besten Tageszeiten für beeindruckende Bilder sind eine Stunde vor Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang. Diese Zeiträume bieten die besten Lichtverhältnisse zum Fotografieren und werden auch als goldene Stunden bezeichnet.

Die Qualität deiner Bilder hängt zudem von den richtigen Belichtungseinstellungen ab. Ein unter- oder überbelichtetes Bild hat beispielsweise meistens wenig Farbtiefe und Bilddetails. Für die richtige Belichtung sind dabei drei Parametern besonders wichtig: die Blendenöffnung, die Belichtungszeit und der ISO-Wert.

Diese drei Faktoren sind voneinander abhängig und ergeben zusammen das Belichtungsergebnis deines Bildes. Im Folgendem erklären wir dir Schritt für Schritt, welchen Einfluss die einzelnen Faktoren auf deine Bildqualität haben und wie du diese in deiner Kamera einstellen kannst.

Die Blende

Die Blende kann als Öffnung im Objektiv beschrieben werden, die bestimmt wie viel Licht auf den Sensor fällt. Durch das Verstellen der Blende kannst du daher die Helligkeit deines Bildes anpassen. Je größer die Blendenöffnung ist, umso mehr Licht kommt durch das Objektiv auf den Sensor.

Ist es jedoch sehr hell und du möchtest, dass weniger Licht durch das Objektiv gelangt, wählst du eine kleinere Blendenöffnung.

Einstellen kannst du die Blendenöffnung natürlich im manuellen Modus, aber auch im halbautomatischen Av/A Modus. Der Blendenwert hat immer ein kleines „f“ vor der Zahl und kann anfangs etwas verwirrend sein. Merke dir einfach: Je größer die Blendenöffnung, desto kleiner ist die Blendenzahl.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit gibt an, wie lange die Verschluss der Blende geöffnet bleibt, und wird daher auch als Verschlusszeit bezeichnet. Je nachdem, wie lange sich der Verschluss öffnet, nimmt die Kamera viel oder wenig Licht auf. Einstellen kannst du die Belichtungszeit in deinen Kameraeinstellungen unter dem Modus T/ Tv/ S oder im manuellen Modus.

Eine lange Verschlusszeit zwischen 1/250 bis 1/8000 eignet sich vor allem für das Fotografieren von bewegten Objekten. Hierbei muss du die Kamera jedoch absolut ruhig halten. Kürzere Belichtungszeiten zwischen 1/8 und 1/125 sind für Aufnahmen bei schlechteren Lichtverhältnissen zu empfehlen.

Um Verwacklungen und Unschärfen möglichst zu vermeiden, empfehlen wir Anfänger zunächst mit einer kurzen Belichtungszeit zu arbeiten.

Der ISO-Wert

Auch mit der ISO Einstellung im manuellen Modus nimmst du Einfluss auf die Belichtung und die Qualität deiner Bilder. Der ISO-Wert gibt nämlich die Lichtempfindlichkeit deines Sensors an. Dabei einspricht ein niedriger ISO Wert einer niedrigen Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Ein hoher ISO Wert bedeutet entsprechend eine hohe Lichtempfindlichkeit.

Fotografierst du bei wenig Licht, hilft es also, die ISO-Zahl zu erhöhen. Beachte dabei jedoch, das bei sehr hohen ISO-Werten Bildrauschen und eine sichtbare Grobkörnigkeit auftreten kann. Daher raten wir am Anfang mit einem niedrigen ISO Einstellungen, wie zum Beispiel ISO 100, zu arbeiten, um Rauschen zu vermeiden und eine gute Bildqualität zu erzielen.

Wozu dient der Weißabgleich?

Beim Fotografieren ist es jedoch nicht nur wichtig, die richtige Helligkeit anzupassen, sondern auch die passende Farbtemperatur einzustellen. Bei der Farbanpassung hilft dir der Weißabgleich deiner digitalen Spiegelreflexkamera.

Durch den Weißabgleich teilst du deiner Kamera vor der Aufnahme mit, welche Farbtemperatur das Licht hat, mit dem du fotografierst. Das Ziel dabei ist es, dass weiße Flächen später auch wirklich als weiß abgebildet werden sollen. Dadurch kannst du einen Farbstich deiner Bilder verhindern.

Die meisten Kameras verfügen über einen eingebauten und automatischen Weißabgleich. Dabei sucht sich deine Kamera selbstständig den hellsten Punkt und definiert ihn als Weiß. Bei schwierigen Lichtverhältnissen kann es jedoch zu Fehlern und dem Auftauchen eines Rot- oder Blaustichs kommen.

Im Halbautomatik Modus kannst du deine Kamera dabei unterstützen, um Fehler beim Weißabgleich zu vermeiden. Dazu wählst du die passende Lichtquelle aus und teilst deiner Spiegelreflexkamera mit, ob du bei Tageslicht, bewölktem Himmel, Kunstlicht oder im Schatten fotografierst. Alternativ bieten manche Kameramodelle auch die Einstellungen Sommer und Winter an.

Falls du über physikalische Grundkenntnisse verfügst und dich in der Kelvin-Skala auskennst, kannst du den Weißabgleich auch manuell einstellen. Dafür wählst du in den Einstellungen den passenden Kelvin Wert, um beispielsweise Blautönung des Lichtes zu neutralisieren. Du kannst jedoch auch verschiedene Werte ausprobieren, um spezielle Effekte auf deinen Fotos zu erzielen.

Scharfe Bilder: So gelingt dir das Fokussieren

Um möglichst scharfe Bildergebnisse zu bekommen, musst du auch das Fokussieren mit der Spiegelreflexkamera üben. Viele Modelle bieten dafür einen automatischen Fokus an. Liefert der Autofokus jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse, kannst du auch in den manuellen Modus wechseln. Dort kannst du in der Regel die Schärfe durch das Drehen am Objektivring einstellen.

Um das Verwackeln deiner Aufnahmen zu vermeiden und das Fokussieren zu vereinfachen, solltest du eine kurze Verschlusszeit einstellen und gegebenenfalls ein Stativ verwenden. In modernen Spiegelreflexkameras ist zudem häufig ein Bildstabilisator eingebaut, der Erschütterungen entgegenwirkt.

Du kannst jedoch auch verschiedene Einstellungen bezüglich der Schärfe ausprobieren, um deine Bilder interessanter wirken zu lassen. Ein guter Tipp ist es, die Tiefenschärfe vorher zu testen. Durch diese kannst du den Blick des Betrachters auf bestimmte Bildbereiche lenken.

Die Tiefenschärfe eignet sich optimal, um das Hauptmotiv besonders hervorstechen zu lassen. (Foto: Jonas Svidras / pexels.com)

Bei der Tiefenschärfe wird nämlich nur das anvisierte Motiv scharf gestellt, wohingegen der Rest unscharf abgebildet wird. Diesen Effekt kannst du beispielsweise durch die Veränderung der Blendenöffnung bewirken. Je größer du die Blendenöffnung einstellst, desto kleiner ist der scharfe Bereich. Möchtest du lieber einen großen Bildbereich scharf stellen, verwende entsprechend eine kleine Blendenöffnung.

Warum lohnt sich die Nachbearbeitung?

Auch nach dem Fotografien lohnt es sich durch Nachbearbeitung mit Bildbearbeitungsprogrammen aus deinen bereits guten Bilder noch mehr rauszuholen. Am Markt gibt es mittlerweile ein breites Angebot von Bearbeitungssoftwares, die von kostenlosen Tools bis hin zu teuren Profi-Bearbeitungsprogrammen reichen.

Für Einsteiger lohnt sich das Ausprobieren von kostengünstigen Programmen mit kleineren Funktionsumfang. Auch mit diesen kannst du schon durch wenige Werkzeuge einiges bewirken. Du kannst beispielsweise im nachhinein Farben korrigieren, sowie Helligkeit, Kontrast, Schärfe und Sättigung anpassen.

Des Weiteren bieten bereits viele kostenlose Programme optische Korrekturen an, durch die du kleine Fehler beseitigen kannst. Außerdem kannst du durch das Beschneiden des Bildes einen passenderen Bildausschnitt wählen und unerwünschte Objekte rausschneiden. Insgesamt kannst du dich auch in der Bildbearbeitung kreativ Austoben und verschiedene Filter ausprobieren, um deine Bilder mit einem neuen Stil zu versehen.

Fazit – So gelingen dir bessere Fotos mit deiner Spiegelreflexkamera

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bereits Einsteiger mit ein wenig Wissen über die technischen Grundlagen der verschiedenen Kameramodi und Einstellungen eindrucksvolle Aufnahmen erzielen können. Dafür ist die Auseinandersetzung mit den technischen Möglichkeiten der eignen Spiegelreflexkamera aber unverzichtbar.

Durch Befolgung der Tipps und mit etwas Geduld und Übung kannst du jedoch schon in kürzester Zeit beeindrucke Ergebnisse erzielen. Dabei ist es vor allem wichtig, dass du sowohl während des Fotografierens als auch in der Nacharbeitung verschiedene Einstellungen und Perspektiven ausprobierst, um deinen favorisierten Stil herauszufinden und kreative Aufnahmen zu erhalten.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Belichtung_(Fotografie

[2] http://www.fotophobia.de/weissabgleich/

Bildquelle: unsplash.com / Allef Vinicius

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Redaktion

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