Ein faszinierender Sonnenuntergang, ein unglaublicher Sternenhimmel, das riesige Feuerwerk an Silvester – Momente, die man am liebsten für immer festhalten würde. Doch jedes Mal stellt sich dasselbe Problem: die Kamera scheint diese wunderschönen Spektakel nicht aufnehmen zu können.

Dabei liegt die Lösung näher als Du vielleicht vermuten könntest und bestimmt hast du auch schon einmal davon gehört: die Rede ist von Langzeitbelichtung.  Was Langzeitbelichtung bedeutet und wie du die Langzeitbelichtung für dich nutzen kannst zeigen wir dir im folgenden Artikel.

Was bedeutet Langzeitbelichtung?

Bei der Langzeitbelichtung wird die Verschlusszeit (auch: Belichtungszeit oder shutter speed) der Kamera auf einen längeren Wert gesetzt, was eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden bedeutet. Diese lange Belichtungszeit ist besonders bei schwachen Lichtquellen, wie z.B. bei Nachtaufnahmen, von Vorteil.

Kamera

Quelle: Pixabay.com / Paul_Henri

Außerdem kann man so auch sehr gut Bewegungsabläufe aufzeigen, die mit bloßem Auge sonst nicht zu erkennen sind, beispielsweise die Erdrotation:

Es gibt keine genaue Grenze ab der man von Langzeitbelichtung spricht, jedoch wird in der Regel von einer Belichtungszeit ab einer Sekunde aufwärts gesprochen. Zwar erfordern Aufnahmen mit Langzeitbelichtung etwas Geduld, aber die Photographien sind dafür besonders beeindruckend.

Effekte

Alles was sich bewegt und leuchtet oder beleuchtet wird kann mit einer langen Belichtungsdauer interessante Effekte erzielen. Dies gilt vor allem für Motive bei Nacht. Besonders außergewöhnliche Photographien entstehen so in Städten oder an viel befahrenen Straßen.
Doch auch am Tag kann man durch Langzeitbelichtung tolle Bilder erhalten: nebelartige Schleiereffekte bei fließendem Wasser oder zum Beispiel verschwommene Menschenmengen in unbewegter Umgebung:

Photographie

Wichtig ist es beim Photographieren von Langzeitaufnahmen, eine stabile Unterlage oder ein Stativ zu verwenden. Denn ein Photo, welches mit einer solch hohen Verschlusszeit gemacht wird, würde höchstwahrscheinlich verwackeln wenn die Kamera in der Hand gehalten wird.

Was ist Bulb Langzeitbelichtung?

Wie bereits erwähnt beginnt Langzeitbelichtung in der Regel ab einer Sekunde und kann beliebig weit ausgedehnt werden. Jedoch erlauben die meisten Kameras lediglich eine Belichtungszeit von maximal 30 Sekunden und erschweren somit unter anderem Aufnahmen bei Nacht, da hierfür eine noch längere Belichtungszeit benötigt wird.

Dies ermöglicht die sogenannte Bulb Langzeitbelichtung. Grundsätzlich gilt bei dieser Art von Belichtung: es wird solange belichtet wie du den Auslöser gedrückt hältst. Da du so jedoch leicht mit der Hand an der Kamera wackeln kannst, empfiehlt es sich hierfür einen Fernauslöser zu verwenden.

Früher wurde die Fernauslösung mit einem Blasebalg ausgeführt. Daher die heutige Bezeichnung Bulb (englisch für Blasebalg).

Wann und wie mache ich Langzeitbelichtung?

Langzeitbelichtungen sind immer dann sinnvoll, wenn schwache Lichtverhältnisse herrschen, ein Bewegungsablauf aufgezeigt werden oder ein bestimmter ästhetischer Effekt erzielt werden soll.

Aurora

Quelle: Pixabay.com / Noel_Bauza

Langzeitbelichtung bei Tag und bei Nacht

Bei Nacht benötigt eine Aufnahme mit Langzeitbelichtung etwas Vorbereitung:

  1. Zunächst solltest du darauf achten, dass deine Kamera eine Blendenautomatik (S-Modus beziehungsweise Tv-Modus) besitzt, denn diese sorgt dafür, dass die Kamera automatisch die richtige Blende zu der ausgewählten Belichtungszeit einstellt. So wird verhindert, dass dein Photo am Ende über- oder unterbelichtet wird.
  2. Du sollest unbedingt einen festen Untergrund oder ein Stativ verwenden, um verwackelte Bilder zu vermeiden. Außerdem löst du die Kamera am besten per Fernauslöser aus.
  3. Der Blitz deiner Kamera sollte unbedingt ausgeschaltet werden, da er eine Langzeitbelichtung verhindert. Denn ein Blitz ist dafür gedacht mit einer besonders kurzen Belichtungszeit ein scharfes Photo zu schießen.
  4. Stelle die höchste Auflösung ein, die deine Kamera zu bieten hat.
  5. Deine Kamera sollte stets fokussiert sein. Dies kann in der Dunkelheit schwierig sein, da die automatische Fokussierung hier schlecht funktioniert. Fokussiere die Kamera also am Besten manuell.
  6. Deaktiviere den Bildstabilisator deiner Kamera, er wirkt der Langzeitbelichtung besonders bei der Aufnahme von Bewegungsabläufen entgegen.

Bei Tage wirst du das Problem haben, dass es in der Regel zu hell ist um problemlos lange Belichtungszeiten zu erreichen. Deshalb musst du hier etwas nachhelfen. Ein Graufilter oder auch ND-Filter (Neutral Density Filter) ist eine getönte Scheibe, die das auf den Sensor fallende Licht reduziert und es somit möglich macht die Belichtungszeit künstlich zu verlängern.

Ansonsten gilt wie bei Langzeitaufnahmen in der Dunkelheit, du benötigst einen festen Untergrund beziehungsweise ein Stativ und einen Fernauslöser. Außerdem solltest du deine Kamera fokussieren und den Bildstabilisator ausschalten.

Langzeitbelichtung Bildrauschen und Rauschreduzierung Rauschunterdrückung sinnvoll?

Bei Langzeitbelichtungen kann es zu Bildrauschen kommen. Um dies zu verhindern gibt es einige Möglichkeiten. Eine Rauschreduzierung kann schon einfach dadurch erzielt werden, indem die passende Blendeneinstellung und der richtige ISO-Wert verwendet werden (siehe unten).

Ein weitere Möglichkeit ist die sogenannte Rauschunterdrückung. Diese funktioniert bei den meisten Kameras automatisch ab einer Belichtungszeit von mehr als einer Sekunde. Hier nimmt die Kamera zwei Bilder kurz nacheinander auf: einmal das Motiv und einmal ein Bild mit geschlossenem Verschluss.

Spiegelreflexkamera

Quelle: Pixabay.com / gorartser

Im zweiten Bild erkennt die Kamera die sogenannten Hot Pixel, das sind fehlende Bildinformationen, und rechnet diese anschließend aus dem ersten Bild heraus. Wenn du dich mit Hot Pixeln etwas auskennst, kannst du diese Funktion jedoch auch abstellen und diese selbst mit einem passenden Bildbearbeitungsprogramm retuschieren.

Welche Blende?

Eine Blende ist für die generelle Schärfe, die Tiefenschärfe und die Helligkeit verantwortlich. Die schärfsten Bilder erhältst du wenn du dein Objektiv um zwei Stufen abblendest. Verwendest du ein Weitwinkelobjektiv, so ist die Tiefenschärfe in der Regel bei geöffneter Blende ausreichend.

Du solltest nicht mehr abblenden als nötig, da sonst Bildrauschen entstehen kann und sich die Belichtungszeit erhöht.

Welcher ISO Wert?

Generell solltest du bei Langzeitbelichtungen mit einem ISO-Wert von ISO-50 oder ISO-100 photographieren. Bei höheren Werten tritt mit einer langen Belichtungszeit häufig Bildrauschen auf, welches du so verhindern kannst.

Langzeitbelichtung Handy Android vs. iOS

Inzwischen ist es auch mit vielen Smartphones möglich Langzeitbelichtungen beim Photographieren durchzuführen. Dies muss in der Regel manuell in den Kameraeinstellungen eingestellt werden.

Hat das Smartphone keine passende Einstellung, kannst du mit einer App nachhelfen. Für Android gibt es beispielsweise die App “Light Pic” sowie die App “Camera FV-5 Lite”. Für Apple iPhone erhältst du im App Store die App “Langzeitbelichtung” oder auch bei iTunes einige kostenpflichtige Apps wie “Slow Shutter Cam”.

Tipps und Tricks zur Langzeitbelichtung

Photographer

Quelle: Pixabay.com / Pexels

Zu guter Letzt noch einige Tipps bevor du mit dem Photographieren beginnen.

  1. Mache dich mit deiner Kamera vertraut, du solltest im Voraus wissen wo sich die entsprechenden Einstellungen befinden.
  2. Falls deine Kamera einen Haltegurt hat, stecke ihn fest oder entferne ihn. Er kann bei leichtem Wind schon zum Verwackeln der Bilder führen.
  3. Falls du es ganz genau machen willst, bring eine kleine Wasserwaage mit und richte  deine Kamera danach aus.
  4. Denke daran den Akku deiner Kamera vollzuladen bevor du dich ans Photographieren machst. Nimm eventuell geladene Ersatzakkus mit.
  5. Ziehe dich der Witterung entsprechend an, es kann besonders nachts sehr schnell kalt werden.
  6. Nimm eine Taschenlampe mit, wenn du Nachtphotographien machst.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links zum Thema Langzeitbelichtung:

[1] http://www.spiegel.de/reise/aktuell/langzeitbelichtung-fuer-anfaenger-tipps-vom-foto-profi-a-1079897.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitbelichtung

[3] https://lichterderwelt.de/9-profi-tipps-fuer-gigantische-langzeitbelichtungen/

[4] https://www.matthiashaltenhof.de/tutorials/langzeitbelichtung/

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