Foto „to go“ – In diesem Ratgeber geben wir einen Überblick über die Entwicklung der Sofortbildkamera. Wie wurde sie durch die Technologie der Digitalfotografie zurückgedrängt und warum und wie ist die Polaroidkamera aber dennoch wieder zum Trend geworden?

Was ist eine Sofortbildkamera und wie funktioniert sie?

Eine Sofortbildkamera funktioniert nicht wie eine klassische analoge Kamera mit der aufwändigen Entwicklung im Labor bis zuletzt das Foto bewässert wird, um die Schicht der Chemikalien zu entfernen, bevor das Bild zum Trocknen aufgehängt wird.

Die Sofortbildfotografie ist nämlich ein fotografisches Verfahren, bei dem unmittelbar nach der Aufnahme ein positives Bild als Ausdruck entsteht. Diese Technologie ist den integrierten chemischen Reaktionen in der Sofortbildkamera zu verdanken.

Polaroid

Eine der ältesten Formen der Polaroid Sofortbildkamera. So handlich wie die heutigen Digitalkameras oder auch moderne Instantkameras waren sie damals natürlich nicht. Bildquelle: Pixabay.com / Pexels

Ursprünglich war ein Film aus Doppelrolle aus Negativ- und Positivblättern eingegliedert, in neueren Modellen sind alle benötigten Chemikalien in einem Blatt Fotopapier enthalten.

Beim Herausziehen des Papiers aus der Kamera vermischen sich die Chemikalien zwischen Negativ und Positiv, sodass du schon nach einigen Sekunden sehen kannst, wie das Bild immer deutlicher sichtbar wird.

Wann und von wem wurde die Sofortbildkamera erfunden?

Die erste Sofortbildkamera wurde vom US-amerikanischen Wissenschaftler und Erfinder Edwin Herbert Land, gelebt von 1909 bis 1991, im Jahre 1947 vorgestellt. Land studierte Physik an der Harvard University und beschäftigte sich mit einem damals noch ungelösten Problem des Polarisators. Mit der Erfindung des Gerätes gründete er 1937 die Firma Polaroid.

Da er die Innovation der Sofortbildkamera im Namen seines Unternehmens Polaroid veröffentlicht hat, ist seitdem die Bezeichnung Polaroid-Kamera mehr im Gebrauch als der Begriff Sofortbildkamera. Ähnlich wie bei den Tempo-Taschentüchern hat sich auch hier der Unternehmensname zur stellvertretenden Bezeichnung eines Produkts entwickelt.

Die Polaroid-Kamera ist nach dem Unternehmen Polaroid von Edwin Herbert Land benannt. Er ist Erfinder und war erster Produzent solcher Kameras.

Anstoß für die Entwicklung war Lands Tochter, die ihn fragte, warum sie das Bild von ihr, das ihr Vater gemacht hatte, nicht sehen könne. Von diesem Tag dauerte es noch vier Jahre lang, bis er öffentlich ein Foto von sich machte und kurz darauf das Bild herzeigen konnte.

Wie wurden die Schwarz-Weiß-Filme der Sofortbildkamera farbig?

Bis 1950 waren die ausgedruckten Fotos der Sofortbildkamera noch sepiafarben. Die Schwarz-Weiß- Sofortbildfotografie beruhte auf dem Silbersalzdiffusionsverfahren.

Nachdem das Bild entwickelt wurde, musste man mit einem in Klarlack getränkten Schwämmchen das Foto bestreichen um dieses zu fixieren. Erstmals 1963 wurden die Fotos farbig, sodass das sonderbare Bestreichen nicht mehr nötig war.

Für die Farbfotografie wurde ein Farbdiffusionsverfahren angewendet. Die enthaltenen Farbentwicklermoleküle haben zur Färbung des Bildes beigetragen. Zuerst gab es Trennbildfilme, die aus einem Negativ und einem Positiv bestanden.

Kamera

Optisch gänzlich anders, sehen Sofortbildkameras innen gar nicht so viel anders aus als herkömmliche moderne Kompaktkameras. -Bildquelle: Pixabay.com / bijutoha

Nach der Aufnahme musste man das Negativ vom Positiv abziehen. Hier musste die Entwicklungszeit sehr streng eingehalten werden, damit Kontraste und Farben beim Ausdruck verfälscht wurden. Hierfür waren in den Kameras Stoppuhren mit Countdown integriert.

Als 1972 das Integralverfahren hervorgebracht wurde, durften die Fotografen das Bild vom Gerät ziehen und nur einen Moment warten, damit das Bild fertig war. Ein Unterschied zum Trennbildverfahren war, dass die Kamera mit einem Umkehrspiegel ausgestattet sein musste. Also waren ab dem Zeitpunkt an Sofortbildkameras mit Spiegelreflexobjektiv erhältlich.

Die ersten dieser Fotos waren sepiafarben, danach folgten Schwarz-Weiß-Filme. 1963 gab es die ersten farbigen Sofortbilder. Farbig, aber mit dem klassischen blassen Farbstich.

Wie hat sich die Polaroid-Kamera zur digitalen Kamera weiterentwickelt?

Vom Aufbau her sind die digitale und die herkömmliche Kamera ähnlich. Linsen, Blende und Verschlussklappe sind einige der identischen Elemente. Der Unterschied besteht darin, dass anstelle eines Filmes, wie bei der herkömmlichen Art der Sofortbildkamera, ein technologisch weiteres Bauteil enthalten ist.

Dieses wandelt die optischen Eindrücke in elektrische Signale. Zumeist ist dies dank dem CCD- Sensor, (Abkürzung von englisch Charge Coupled Deviced), möglich. Mit der Technologie der Digitalkamera hat sich die Anzahl der Pixel, welche die Auflösung der Kamera bestimmt, immer verbessert.

Während die ersten Anfang der 1990er Jahre gebauten Digitalkameras mit nur etwa 90.000 Pixeln auskommen mussten, sind heute mittlerweile schon Kameras im Amateurbereich mit etwa 800.000 Bildpunkten ausgestattet.

Diese Auflösung entspricht der eines Computermonitors. Natürlich sind auch bessere Auflösungen möglich. Jedoch ist zu bedenken: Je höher die Pixelzahl, desto höher auch die nötige Speicherkapazität des Bildes.

Wird die Polaroid-Kamera heute immer noch genutzt?

Mit der Innovation der Digitalkamera ist die Polaroid-Kamera nach und nach in den Hintergrund getreten. Dass bei der Digitalfotografie keine Entwicklungszeit nötig ist, ohne Papier und ohne Begrenzung der getätigten Fotoanzahl qualitativ hochwertigere Fotos zustande kommen, faszinierte die Menschen, sodass das Unternehmen Polaroid schlussendlich 2008 Insolvenz melden musste.

Die Firma Impossible wollte nicht, dass die herkömmliche Art der Kamera ausstirbt und kaufte somit Polaroid-Filme auf. Anfangs fiel es ihnen aufgrund Mangels an fachlichem Wissen bezüglich der Fototechnik schwer, doch schließlich gelang es der Firma, der Sofortbildkamera ein Comeback zu verschaffen.

Heute stellt Impossible geeignete Filme für alte Polaroid-Kameras her und repariert alte Polaroid-Fotoapparate, sodass diese Objekte von Nostalgikern als Sammlerstücke immer noch sehr gefragt sind.

Fazit

Ob auf Reisen oder zu einmaligen Gelegenheiten wie Hochzeiten oder Kindergeburtstagen – die Sofortbildkamera hat eine bewegte Geschichte hinter sind und ist nach mehr als 70 Jahren immer noch begehrt, wenn auch aus anderen Gründen als früher.

Die 1947 von Edwin Land vorgestellte Sofortbildkamera erlebte bis 1990 wichtige technologische Verbesserungen. Als dann aber die Digitalfotografie immer mehr den Markt eroberte, wurden die Aussichten für die Sofortbildkamera immer düsterer, sodass Polaroid später sogar Insolvenz anmelden musste.

Dank dem niederländischen Unternehmen Impossible, welches Polaroid aufkaufte, ist es heute immer noch möglich geeignete Filme für die alte Polaroid-Kamera zu kaufen oder aber den verjährten Fotoapparat wieder funktionstüchtig zu machen. Somit ist und bleibt die Sofortbildkamera ein Kultobjekt.

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links


[1] https://www.kabeleinsdoku.de/themen/wissenschaft-und-technik/geschichte-der-kamera-wie-der-polaroid-fotoapparat-zum-kult-wurde


[2] https://www.wasistwas.de/archiv-technik-details/sofort-bild.html


[3] Brockhaus Enzyklopädie in achtzehn Bänden, Mannheim 2002, Band 13, S. 109 f., „Sofortbildfotografie“


[4] Brockhaus Enzyklopädie in achtzehn Bänden, Mannheim 2002, Band 6, S. 526 ff., „Die Fotografie“


[5] https://kurier.at/wissen/vor-70-jahren-praesentierte-edwin-herbert-land-die-erste-sofortbildkamera/242.066.780

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